DoYourYoga: Einführung in das Yin Yoga

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Viele Yogaarten sind eher aktiv und der Fokus liegt dabei auf die Stärkung und Dehnung der Muskulatur. Yin-Yoga hingegen ist ein passiver Yogastil, bei dem die Faszien schonend gedehnt werden. Gerne wird Yin Yoga auch als Faszienyoga bezeichnet, was genau genommen nicht ganz richtig ist. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Faszien im Yoga zu stimulieren, Yin Yoga ist eine davon.

Was sind überhaupt Faszien?



Das Wort Faszien ist derzeit in aller Munde. Damit werden die Weichteil-Komponenten des Bindegewebes bezeichnet. Und darunter kannst du Dir ein feinmaschiges Netz vorstellen, das sich durch den ganzen Körper zieht. Faszien umhüllen ausnahmslos alle Muskeln, Gelenke, Organe und Knochen – mal ist das Netz etwas stärker, mal nur hauchdünn. Aber es durchzieht den Körper ohne Anfang und ohne Ende. 
Dieses wunderbare Netz gibt uns Halt und Stabilität und sorgt – wenn es denn „gesund“ ist – für Geschmeidigkeit, Flexibilität und reibungslose Bewegungsabläufe.

Wenn dieses einzigartige Netzwerk nicht gut „gepflegt“ wird, kann es leicht zu Verklebungen kommen und die können sehr schwerzhaft sein. 

Verletzungen, Bewegungsmangel oder auch falsche Haltungen können dazu führen, dass das Bindegewebe an Geschmeidigkeit verliert, sich zusammenzieht und verklebt. Und das geht nicht selten mit starken Schmerzen einher. Denn wenn das passiert, sind auch die Muskeln nicht mehr in der Lage, richtig zu arbeiten. Es kommt zu Muskelverkürzungen, die wiederum zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen führen können. Ein Teufelskreis. Erst seit einigen Jahren ist das Thema Faszien wirklich populär und seitdem wird ein Faszientraining sowohl im Sport- und Freizeitbereich als auch als Therapieansatz eingesetzt.

 Es gibt mittlerweile verschiedenste Methoden, diese „Verfilzungen“ im Netzwerk wieder zu glätten und somit die Flexibilität und Schmerzfreiheit langsam wieder herzustellen. Und dabei kann unter anderem Yin Yoga behilflich sein.

Merkmale von Yin Yoga



Wie oben schon erwähnt, sind die meisten Yogastile darauf ausgerichtet, die Muskeln zu dehnen und zu stärken. Durch das passive Hineinsinken und Halten einer Position dürfen die Muskeln entspannen und die Faszien werden gestreckt. So können sie sich langsam wieder aneinander anpassen, das Netz glättet sich und der Muskel darf sich auch langsam wieder entfalten.

Und ganz nebenbei entspannen sich hier neben den Fazien auch der ganze Körper und der Geist. Es werden auch unterschwellige Spannungen in den inneren Organen gelöst. 

Ein besonderes Merkmal im Yin Yoga ist der runde Rücken. Während im dynamischen (Yang) Yoga der Rücken ganz bewusst gerade gehalten wird, um Kraft aufzubauen, trägt der passive runde Rücken zu der gewünschten Dehnung des Bindegewebes bei.

Im Yin Yoga werden ganz achtsam verschiedene Haltungen eingenommen und mindestens drei Minuten gehalten. Das kann langsam gesteigert werden. Hierfür können, dürfen und sollen alle möglichen Hilfsmittel wie Decken, Kissen, Bolster, Blöcke und Gurte verwendet werden. Es ist wichtig, achtsam mit sich und seinem Körper zu sein und nur soweit in die Position hineinzugleiten, dass es sich noch gut anfühlt. Natürlich merken wir hier eine Reaktion des Körpers und das ist auch gut so, nur sollte es sich stimmig anfühlen. Falscher Ehrgeiz ist hier Fehl am Platz.

Yin-Yoga-Einfuehrung-Buddha

Im Yin Yoga geht es darum, das Tempo rauszunehmen und eins zu werden, mit dem was ist. Durch dieses passive Annehmen lassen wir automatisch mehr und mehr los, Anspannungen, Verspannungen und Schmerzen lösen sich auf. 

Yin und Yang sind zwei Kräfte innerhalb der Dualität unserer Welt und können also nicht getrennt werden. Während Yin eher Attribute wie Passivität, Weiblichkeit, Leere zugeordent werden, steht Yang für Aktivität, Männlichkeit und Fülle. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar – sie gehören zusammen und sind miteinander verschlungen. Yin Yoga soll daher keinesfalls in Konkurrenz zu den Yang-Stilen stehen, sondern diese vielmehr ergänzen – eben entsprechend dem Prinzip von Yin und Yang.


Ich kombiniere in meinem Unterricht gerne beide Seiten, wobei es wichtig ist, die Yin Yoga Haltungen unaufgewärmt durchzuführen. Wenn wir schon gut aufgewärmt und gedehnt sind, dann ist der Muskel, der uns tief sinken lässt, zu flexibel. Die Faszie bleibt unberührt und verklebt und wird sich weiterhin durch Schmerzen bemerkbar machen.

Yin Yoga – wundervoll, aber es braucht etwas Übung


Als ich das erste Mal mit Yin Yoga in Berührung gekommen bin, habe ich tatsächlich die Yogastunde verlassen, da ich an diesem Tage keine Ruhe dafür hatte.

Dabei hört es sich so einfach an: eine bestimmte Körperhaltung einnehmen, sich in die Asana hinein entspannen und dann den Atem frei fließen zu lassen. So können sich unterschwellige Spannungen in den inneren Organen und Muskelpartien lösen, Körper und Geist kommen zur Ruhe.

Von wegen: gerade wenn es „ruhig“ wird, ist es oft da, dieses Geplänkel im Kopf: Habe ich die Kaffeemaschine ausgemacht? Was soll ich heute kochen? Warum war die Kollegin heute so kurz angebunden? Ob mein Liebster wirklich auf Geschäftreise ist? Diese Haltung ist so unangenehm. Wann ist das hier vorbei?“ 

Und kaum darf man sich aus einer Haltung lösen, geht es in die nächste hinein und ehe man sich versieht, geht das Geplapper oben weiter.

Das ist erstmal alles, nur nicht entspannend! 

Wer wenig Erfahrung mit Meditations- und Achtsamkeitspraxis hat, der wird sich mit diesem ruhigen, passiven Yogastil wahrscheinlich erstmal schwerer tun und eine Stunde kann schon echt lang werden!

Daher mein Tipp:
Beginne erstmal „nur“ mit ein, zwei Übungen und steigere Dich dann langsam.

In den nächsten Wochen werde ich Dir verschiedene kleine Übungsreihen für verschiedene Körperpartien vorstellen, aus denen Du Dir am Ende Deine Sequenz für ein ganzheitliches Über zusammenstellen kannst.

Darüber hinaus bekommst Du für jede Sequenz eine Achtsamkeitsübung mit an die Hand, die Dir helfen soll, das Geplappere im Kopf immer leiser werden zu lassen. Das braucht etwas Übung, also lasse Dir von dem Plappermaul da oben bloß nichts einreden oder Dich aus dem Konzept bringen. Irgendwann hat es genug und ist nicht mehr so aufdringlich 😉

Und noch ein Tipp:
Alleine üben ist gerade am Anfang sehr müßig – suche dir gegebenenfalls eine schöne Yin Yoga Klasse und lasse Dich unter professioneller Anleitung durch die ersten Stunden führen.

Ich wünsche dir eine tolle Woche!

Namaste!


Kerstin

Kerstin

Namaste! Ich bin Kerstin und unterrichte seit gut anderthalb Jahren mit ganz viel Herzblut Yoga. Ausgebildet bin ich im Vinyasa-Stil, wobei ich viele andere Yogarichtungen und vor allem Entspannungstechniken in meinen Unterricht einfließen lasse. Für mich ist Yoga weitaus mehr als das Ausüben verschiedenster Körperhaltungen – Yoga ist eine wunderbare Lebensphilosophie, die dabei hilft, den Geist zu bändigen und durch Achtsamkeit im Hier und Jetzt anzukommen. Yoga ist Lebensfreude pur. Ich freue mich, dass ich das hier mit Euch teilen darf!

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